Muttertag: Danke für die Blumen

Der Muttertag sollte gefeiert werden, doch entscheidend ist das Wie. Was nicht gefeiert, sondern kritisch hinterfragt werden sollte, ist die stereotype Darstellung von Care-Arbeit und Mutterschaft. Einmal im Jahr wird diese traditionelle Mutterrolle aus der Kiste vom gesellschaftlichen Dachboden gezerrt und idealisiert verherrlicht. Einmal im Jahr bekommen Mütter kurz Aufmerksamkeit hinsichtlich ihrer Mehrfachbelastung, bestehend aus der Haushaltsführung und der Kinderbetreuung auf der einen Seite und der Erwerbstätigkeit auf der anderen Seite. Dabei wird Müttern für ihre Aufopferung und der wie selbstverständlich eingeschriebenen mütterlichen Fürsorge gedankt. Diese Darstellungen sind aber so eingestaubt, dass sie nun dringend ein Update benötigen.

Mama mach mal

Zuerst sollten wir mit dem weiblichen Fürsorge-Ideal aufräumen. Sich umeinander sorgen und kümmern, mental wie auch physisch, sollte nicht vergeschlechtlicht werden. Insbesondere Mütter bekommen diesen Stereotyp dank Medien, der Gesellschaft und auch der eigenen Familie sowie Freunde einfach auf die Fahne geschrieben, sodass jeder Mensch erwartet, dass sich die „mütterliche Fürsorge“ auf magische Weise natürlich entwickelt und die Frau sie dann „im Blut“ hat. Ein männliches Pendant gibt es dazu nicht. Der Instagram-Account seiten.verkehrt setzt sich übrigens auf parodierende Art und Weise mit genau diesem Thema auseinander. Was passiert, wenn Klischees und sexistische Muster, die meist Frauen betreffen, einfach umgedreht werden?

Woher kommt’s denn?

Woher diese Mottenkiste, vollgepackt mit Mutter-Stereotypen kommt, wissen viele nicht.
Im Nationalsozialismus wurde die Mutterrolle stilisiert und der Muttertag diente dazu, die Geschlechterverhältnisse (die Frau bleibt Zuhause während der Mann zur Arbeit geht) zu untermauern. Der Frauentag wurde abgeschafft und stattdessen der Muttertag als Tag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft eingeführt. Schwerpunkt war es, die weibliche Reproduktion als eine Art der Verpflichtung hübsch zu verschleiern. Die ursprüngliche Erfindung des Muttertags stammt allerdings aus den USA und die Blumenindustrie brachte ihn dann nach Deutschland.

We Care

Der Gender Care Gap sagt aus, wie viel mehr Zeit (aktuell sind das 52,4%) Frauen mit Kindererziehung, Pflege der Angehörigen, Hausarbeit oder Ehrenämtern durchschnittlich im Vergleich zu Männern pro Tag verbringen. Die Folge ist, dass Frauen weniger Zeit haben. Zum Beispiel für eine Vollzeiterwerbstätigkeit oder die wohlverdiente Me-Time. Dass diese ARBEIT nicht bezahlt wird, liegt daran, dass das weibliche Ideal nun mal einen sozialen Charakter hat und dass Care-Arbeit von der Gesellschaft nicht als Arbeit angesehen wird, sondern eher als Liebesdienst. Was dabei unsichtbar bleibt, ist der Mental Load. Also die mentalen Belastungen, die in Summe durch das ständige organisieren, planen, koordinieren, soziale Beziehungen pflegen usw. entstehen. Den so heraufbeschworenen Stress zu bewältigen und die Kapazitäten im Kopf frei zu haben, ist nicht leicht umzusetzen. Und selbst wenn die Care-Arbeit bezahlt wird, dann meistens schlecht oder unterbezahlt. Das Ironische an der Sache ist, dass diese Art der Arbeit für absolut jeden Menschen essentiell ist. Niemand kann ohne Fürsorge aufwachsen oder alt werden. Warum also nicht fair bezahlen?

So viele Gründe zu feiern!

Da wir nun geklärt haben, was wir nicht feiern, hier ein paar Ideen, was wir stattdessen zelebrieren sollten:
Wir sollten den Muttertag nutzen, um Frauen zu feiern, die für die Befreiung, den Aufbruch und die Zuversicht einstehen. Die über Generationen hinweg gegen Widerstände gekämpft und neue Rollen für sich gefunden und gelebt haben. Der Muttertag sollte eine neue Bedeutung und Stimme bekommen. Die Wörtchen Sichtbarkeit und Anerkennung sind der Dreh- und Angelpunkt.
Sichtbarkeit für all die Dinge, die Frauen tagtäglich leisten. Jede Frau, die pflegt und Fürsorgearbeit verrichtet. Egal, ob sie ihren Kindern mental beisteht oder die Großeltern pflegt. Beispiele, wann Frauen ein Mehr an Care-Arbeit übernehmen, gibt es wie Sand am Meer.

Worum wir uns auch noch kümmern müssen, sind die Doppelstandards auf dem Jobmarkt. Die Gebärfähigkeit spielt immer noch eine Rolle bei den Einstellungskriterien und fällt somit zu Ungunsten von Frauen im Alter zwischen Anfang 20 und Mitte 30 aus. Ein ganzes Buch hat die jamaikanische Komikerin Sarah Cooper mit den Ungleichgewichtungen im Job gefüllt.

Anerkennung heißt, dass Altersarmut kein weibliches Gesicht mehr hat. Dass alleinerziehende Mütter nicht mehr von oben herab betrachtet werden, sondern Unterstützung erfahren. Dass es keinen Gender-Pay-Gap mehr gibt und Frauen nicht mehr überwiegend die unbezahlte Care-Arbeit übernehmen müssen. Das heißt, faire Entlohnung für die Pflege- und Fürsorgetätigkeiten und die Selbstverständlichkeit der Ungleichgewichtung nicht mehr hinzunehmen. Dass Möglichkeiten der Kinderbetreuung geschaffen werden und die Suche nach Kitaplätzen nicht in Verzweiflung endet.

Wenn du also den Muttertag feierst, dann überlege dir all die Momente, in denen deine Mutter wirklich bejubelt werden sollte. Schreib sie auf und überreiche deiner Mama die geballte Ladung an Liebe. Dafür kannst du auch unsere nachhaltigen und veganen Notizbücher nutzen. Passend dazu haben wir ebenfalls wundervoll illustrierte Grußkarten, z.B. unsere Dankeskarte oder unsere Grußkarte speziell für den Muttertag.

Lasst uns gemeinsam dem Muttertag ein neues Image geben!

Quellen:
www.pinkstinks.de/page/1/?s=Muttertag
www.sz-magazin.sueddeutsche.de/frauen/muttertag-feminismus-87256
www.editionf.com/muttertag-ich-will-nicht-unsichtbar-sein/
www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/angebote/dossiers/30-jahre-geteilter-feminismus/die-muttis-sind-emanzen
www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/gender-care-gap/indikator-fuer-die-gleichstellung/gender-care-gap-ein-indikator-fuer-die-gleichstellung-137294
www.unsplash.com/photos/W4ROulrlhE4

Bild:
https://unsplash.com/photos/W4ROulrlhE4

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