Earth Overshoot Day – Unsere Welt ist erschöpft

Der Earth Overshoot Day – der „Erdüberlastungstag“ – beschreibt den Tag, an dem alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht sind, die innerhalb eines Jahres von unserem Planeten auf natürlichem Wege regeneriert werden können. Um Aufmerksamkeit auf die Endlichkeit unserer Ressourcen zu lenken und Bewusstsein dafür zu schaffen, wurde ab dem Jahr 1970 jährlich der globale Earth Overshoot Day berechnet und datiert. Zur damaligen Zeit fiel dieser noch auf den 30. Dezember. Doch unsere Gewohnheiten haben sich so sehr verändert und die Bevölkerung ist so stark angewachsen (1970 rund 3,69 Mrd; 2020 rund 7,79 Mrd), dass dieses Datum jetzt um einige Monate vorgezogen wird. 2021 fiel der globale Welterschöpfungstag auf den 29. Juli. Ein erschreckendes Datum, welches uns allen ein Zeichen sein sollte, dass es höchste Zeit ist, einiges zu überdenken.

Die Berechnung des Earth Overshoot Day

Jährlich berechnet das Global Footprint Network den Aktionstag basierend auf statistischen Daten, die aus 200 Ländern stammen. Dabei wird die Biokapazität des Planeten durch den ökologischen Fußabdruck der Menschheit geteilt und mit 365 (die Anzahl der Tage eines Jahres) multipliziert.

Für 2021 wurde berechnet, dass wir 1,7 Erden benötigen, um den globalen Ressourcenverbrauch der Menschheit zu decken, ohne dass dabei ein Defizit entsteht.

Erdensammler

Der Welterschöpfungstag wird zum einen global berechnet, zum anderen aber auch für einzelne Länder. Der Overshoot Day eines Landes ist das Datum, auf das der Earth Overshoot Day fallen würde, wenn die gesamte Menschheit so konsumieren würde wie die Menschen in diesem Land.

Vergleichen wir uns einmal mit dem Rest der Welt. Würde jeder Mensch so leben wie die deutsche Bevölkerung, bräuchten wir 2,9 Erden, um alle Menschen ein Jahr lang zu versorgen und der Earth Overshoot Day wäre bereits am 4. Mai. Das klingt schon heftig, oder? Dabei ist Deutschland nicht einmal an erster Stelle. Spitzenreiter ist Katar mit einem Verbrauch von satten 9,2 Erden, dicht gefolgt von Luxemburg mit 8 Erden in nur einem Jahr. Besser dagegen ist es in Ländern wie Indonesien, Equador und Ägypten. Hier ist der Earth Overshoot Day am Ende des Jahres. Einige andere finanziell schwächeren Länder haben tatsächlich gar keinen Erdüberlastungstag, da der Konsum pro Kopf deutlich geringer ist als in reicheren Ländern. Außerdem tragen unberührte oder unbebaute Naturgebiete dazu bei, dass mehr CO2 gebunden wird und Tierbestände weiterhin erhalten bleiben. Bis wir in Deutschland dazu kommen, den Earth Overshoot Day so weit zu verschieben, wird aber noch einiges an Zeit und Maßnahmen nötig sein. Dennoch sehen wir wie dringend es ist, dass wir uns ändern. Die Alarmglocken läuten und die Frage ist, wie lange können wir noch so weiter machen?

Die Lösung?

Die eine richtige Lösung für diese Gleichung gibt es wahrscheinlich nicht. Eher ein Sammelsurium an verschiedensten Herangehensweisen. Wir müssen in Zukunft unsere Infrastruktur umgestalten, Prozesse ressourceneffizienter machen, CO2 aus unseren Emissionen reduzieren und durch Aufforstung unserer Waldbestände binden. Wichtig und für jeden von uns umsetzbar ist aber ein ressourcenschonenderes Leben. Auch wenn man nicht sofort einen Erfolg verspürt, lohnt es sich die Sache tatkräftig anzugehen. Denn falls wir nichts unternehmen, zahlen unsere Nachfahren den Preis. Nicht nur hier, sondern auf der ganzen Welt. Durch unsere verschwenderische Lebensweise reduzieren sich in anderen Ländern Tierbestände oder sterben sogar aus. Flüsse und Meere verschmutzen. Auch die Luft zum Atmen wird schlechter. Zukünftig werden die Großstädte den größten Einfluss auf unsere Ressourcen haben. Wann die natürlichen Ressourcen zur Neige gehen, entscheidet der Lebensstil der Menschen und der Umgang mit der Umwelt seitens der Politik. Man geht davon aus, dass bis 2050 etwa 80% der Bevölkerung in solchen Großstädten leben.

Unter die Arme greifen

Was wir alle tun können, um den Earth Overshoot Day nach hinten zu verschieben und unsere Heimat, den Planeten Erde, etwas zu entlasten:

  • Ernährung überdenken
    Achte auf Fakten wie: Ursprungsort, Verpackung und Saison. Je kürzer der Weg zu dir, desto weniger CO2. Kaufe unverpackt bzw. plastikfrei oder baue dein Essen selbst an. Eine rein vegane Ernährung ist zudem deutlich ressourcenschonender als vegetarisch oder mit Fleisch und Fisch.
    Lebensmittel sparen
    Kaufe nur das, was du wirklich brauchst und versuche so wenig wie möglich wegzuschmeißen. Einige Gemüsesorten kannst Du auch nachwachsen lassen und „wiederverwenden“. Frühlingszwiebeln zum Beispiel wachsen nach ein paar Tagen in frischem Wasser schnell nach und du kannst erneut die Blätter ernten.
  • Transportalternativen
    Weniger Auto, mehr Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel. Das spart sehr effektiv CO2. Und wenn es schon das Auto sein muss, versuche Mitfahrgelegenheiten zu bilden bzw. zu nutzen.
  • Kleidung bewusst einkaufen
    Wirf doch mal einen Blick in Second Hand Shops. Besonders für Basic-Teile und ausgefallene Vintage Sachen eine wahre Schatztruhe. So werden weniger neue Teile produziert, weniger Schadstoffe verwendet und du sparst dabei auch noch Geld. Kleiner Tipp: Versuch dich auch am Upcycling! Dabei wertest du alte Klamotten auf oder nähst sie um, sodass du wieder Lust hast, sie zu tragen. Insbesondere auf YouTube finden sich zahlreiche Tutorials dazu. Unsere persönliche Favoritin: Kathi von How to slay Omas Kleiderschrank!
  • Naturnaher Garten
    Auch ohne viel Platz lassen sich zum Beispiel auf dem Balkon im Frühjahr ein paar Samen für Blumen streuen, die besonders für Bienen und Schmetterlinge interessant sind. Bienen sind ein extrem wichtiger Teil für unser Ökosystem und brauchen Nahrungsquellen, die durch unser Verhalten leider immer knapper werden. Auch Gemüse wie Strauchtomaten sind auf einem Plätzchen auf dem Balkon oder der Fensterbank zufrieden.
  • Nachhaltig reisen
    Besuche kleine Hotels, versuche Flüge zu vermeiden, kaufe örtliche Lebensmittel, um Transportwege und Energieaufwand zu reduzieren.

#MOVETHEDATE

Die Möglichkeiten für dich, ganz einfach und entspannt nebenbei etwas Gutes für alle zu tun, sind noch lange nicht ausgeschöpft. Mit dem Hashtag #movethedate findest du auf den sozialen Medien noch mehr inspirierende Ideen und Ansätze, wie man das Datum des Earth Overshoot Day weiter nach hinten verschieben und ressourcenschonender leben kann.

Trau dich und nimm es in die Hand! Die einzige Frage, die noch übrig bleibt ist: Haben wir heutzutage überhaupt noch die Möglichkeit den Earth Overshoot Day auf den 31. Dezember zu verschieben? Lasst es uns gemeinsam versuchen!

Quellen:
www.wwf.de/earth-overshoot-day
www.overshootday.org
www.germanwatch.org/de/overshoot
www.footprintnetwork.org/https://climate.selectra.com/
www.de.statista.com/statistik/daten/studie/1716/umfrage/entwicklung-der-weltbevoelkerung/

Bild:
https://www.pexels.com/de-de/foto/globus-verschmutzung-konzept-kunststoff-7767708/

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